e-fundresearch.com: Herr Litique, nach einer längeren Phase relativer Schwäche rücken Schwellenländer wieder stärker in den Fokus. Sehen Sie Anzeichen für ein nachhaltiges Comeback und welche strukturellen Treiber sprechen derzeit für Asien und globale Emerging Markets?
Emmanuel Litique: Wir sehen die Aussichten für die Schwellenländer sowohl absolut als auch relativ gesehen positiv. Die Bewertungen sind attraktiv, die Währungen günstig. Gleichzeitig könnten die USA vor einigen eher mageren Jahren mit möglichen Belastungen für den US-Dollar stehen. Dies dürfte globale Anleger dazu veranlassen nach Alternativen zu suchen. Schwellenländer hingegen scheinen nach mehreren eher durchschnittlichen Jahren nun vor einer Phase stärkeren Wachstums zu stehen. Darüber hinaus könnte ein möglicher „Deal“ zwischen China und den USA unserer Einschätzung nach zu einer Neubewertung der Wahrnehmung führen, dass China in einigen Teilen der Welt als „nicht investierbar” gilt. Dies birgt das Potenzial, das Interesse an Schwellenländern insgesamt zu beleben. Schließlich bleibt China der größte Markt innerhalb der globalen Schwellenländer.
e-fundresearch.com: Wie entwickelt sich aktuell das Interesse europäischer Investoren an entsprechenden Strategien? Beobachten Sie Unterschiede zwischen institutionellen Investoren und dem Wholesale-Segment?
Emmanuel Litique: Sowohl im Wholesale- als auch im institutionellen Segment beobachten wir eine starke und weiterhin wachsende Nachfrage nach Aktien aus Schwellenländern. Viele Anleger haben zuletzt ihre US-Aktienquote zugunsten von Schwellenländern reduziert. Diese Entwicklung ist durchaus nachvollziehbar, denn die Allokation in Emerging Markets war zuletzt mit rund 10 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit Langem und das, obwohl Schwellenländer nahezu 50 Prozent zur globalen Wirtschaftsleistung beitragen. In der Ausprägung der Nachfrage zeigen sich jedoch Unterschiede: Im Wholesale-Segment besteht weiterhin eine Präferenz für wertorientierte Strategien, die zuletzt überwiegend besser abgeschnitten haben. Institutionelle Investoren hingegen bereiten sich zunehmend auf eine mögliche Rotation hin zu wachstumsorientierten Strategien vor.
e-fundresearch.com: Welche Bedenken werden in Investorengesprächen besonders häufig adressiert?
Emmanuel Litique: Im Vergleich zu den Vorjahren haben sich die Einschätzungen stark gewandelt und auch die Sorgen der Anleger haben sich verschoben sowohl in Bezug auf Währungs- als auch auf geopolitische Risiken. Wir haben kürzlich einige Investoren persönlich auf einer Reise nach Asien begleitet. Sie alle kehrten durchweg begeistert und positiv überrascht zurück und räumten ein, dass sie die Region zuvor deutlich unterschätzt hatten.
e-fundresearch.com: FSSA stellt die Qualität der Managementteams in den Mittelpunkt des Investmentprozesses und verfolgt einen konzentrierten Portfolioansatz. Wie konkret differenziert Sie dieser Ansatz im Wettbewerb?
Emmanuel Litique: Als Tochtergesellschaft der First Sentier Group verfolgt das Investmentteam von FSSA einen klar qualitätsorientierten Ansatz: Im Mittelpunkt steht die Identifikation hochwertiger Unternehmen, deren Aktien zu einem angemessenen Preis erworben und langfristig gehalten werden. Das Investmentteam sucht gezielt nach Gründern und Managementteams, die mit Integrität handeln und ein ausgeprägtes Risikobewusstsein mitbringen.
Um die Qualität der Unternehmensführung und die Fähigkeit zur konsequenten Umsetzung langfristiger Strategien zu beurteilen, reist das Team regelmäßig vor Ort und sucht den direkten Austausch mit den Unternehmen. Ergänzt wird dieser intensive Dialog durch eine fundierte qualitative und quantitative Analyse. Dabei steht insbesondere die Frage im Fokus, ob ein Unternehmen in der Lage ist, nachhaltig ein Wachstum zu erzielen, das über seinen Kapitalkosten liegt.
e-fundresearch.com: Vielen Dank für das Gespräch & weiterhin viel Erfolg, Herr Litique!
Über Emmanuel Litique:
Emmanuel Litique ist seit August 2020 für die First Sentier Group tätig und verantwortet als Niederlassungsleiter Deutschland das gesamte Wholesale-Segment in der DACH-Region. Seine Karriere begann er vor mehr als 25 Jahren bei der Dresdner Bank. In der Folge übernahm er verschiedene Positionen in Vertrieb und Distribution in der Asset-Management-Branche, unter anderem bei FERI Trust, Morningstar, Carmignac und Mandarine Gestion.